Buch zur jüngeren Stadtgeschichte Halleins

Auf der Grundlage von Recherchen in verschiedenen Medien, der Analyse von Interviews mit MitarbeiterInnen der Halleiner Stadtverwaltung, Beobachtern des Stadtgeschehens und Gesprächen mit PolitikerInnen wird ein Blick auf die jüngere Entwicklung der Stadt Hallein vermittelt.

Dabei befasst sich Publikation mit dem einschneidenden demografischen, sozioökonomischen und politischen Wandel der letzten Jahrzehnte. Hallein kann als wichtiges Beispiel für die Veränderungen in einer Kleinstadt im Kontext überregionaler und internationaler Entwicklungen gelten.

Hallein – Stadt im Wandel der Zeit

Die Entwicklung Halleins von der Salinenstadt zum Industriestandort ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert kann als der erste große historische Strukturwandel seit dem Mittelalter gelten. Der Auslöser dafür war nicht zuletzt der Eisenbahnanschluss durch die Giselabahn im Jahr 1875 und die Tauernbahn im Jahr 1909. Die Veränderungen in der jüngeren Vergangenheit, in den 1980er-, 1990er- und 2000er-Jahren, im Bereich der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Stadt und dabei vor allem die Entwicklung vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort stellen einen weiteren großen historischen Strukturwandel in der langfristigen Entwicklung von Hallein dar. Derartig tiefgreifende und nachhaltig wirksame Veränderungen in der Wirtschafts- und Bevölkerungsstruktur bedeuten vor allem auch beträchtliche kommunalpolitische Herausforderungen. Deren Bewältigung und Gestaltung liegt federführend in den Händen der jeweiligen Bürgermeister. So war die Amtszeit von Bürgermeister Franz Kurz von einem wirtschaftlichen Strukturwandel geprägt, der das Halleiner Selbstverständnis als Industrie- und Salzstadt erschütterte.  Ein Masterplan, wie mit den umfassenden Veränderungsprozessen, die im Windschatten der wirtschaftlichen Krise auf Hallein zukamen, umgegangen werden sollte, existierte aufgrund der Neuartigkeit der Vorgänge nicht. Die Bemühungen um eine Revitalisierung der Halleiner Altstadt, die Altstadtumfahrung und die kulturpolitischen Ambitionen sind kennzeichnend für die Amtszeit von Bürgermeister Franz Kurz. Die Stadtteile Burgfried und Taxach-Rif erlebten in dieser Zeit eine dynamische Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung. Die vielen Initiativen, die den wirtschaftlichen und den damit einhergehenden sozialen Veränderungen entgegengesetzt wurden, machten sich allerdings auch in Form einer sich zuspitzenden Finanzlage der Stadt bemerkbar. Mitte der 1990er-Jahre wurde schließlich deutlich, dass die Strategie von Bürgermeister Franz Kurz zur aktiven Gestaltung des Halleiner Strukturwandels viel Geld gekostet hatte.

Die Halleiner Kommunalpolitik in der Amtszeit von Bürgermeister Christian Stöckl ist von Kontinuitäten und Brüchen geprägt. Eine radikale Trendwende erfolgte ohne Zweifel im Bereich der Stadtfinanzen. Auch das politische Klima in der Stadt, das in den Jahren der finanziellen Krise sehr konfliktbeladen war, wandelte sich. Vor allem in den Jahren nach 1999 wird in der Halleiner Gemeindestube Konsens und Zusammenarbeit gepflegt. Dieser Politikstil sollte in weiterer Folge aber wieder mehr und mehr erodieren und die Stadtpolitik wurde wieder deutlich konfrontativer. Kommunalpolitische Kontinuität zeigte sich im Bemühen um eine lebendige Altstadt. Hier sind die Herausforderungen vielgestaltig, Maßnahmen oft kapitalintensiv und die Anpassung der vorhandenen, oft denkmalgeschützten Infrastrukturen an den in modernen Konsumgesellschaften üblichen Lebensstil herausfordernd. Gerade in den Bemühungen um die Belebung der Altstadt zeigte sich, dass politische Maßnahmen und wirtschaftliche Angebote von den Bürgern und Bürgerinnen auch mitgetragen werden müssen, um Wirkung entfalten zu können.

Die Kontinuität in der Halleiner Kommunalpolitik ist auch das Ergebnis von generellen, gesamtgesellschaftlichen Trends. Ein globaler Wettbewerb, die Wissensgesellschaft, die Alterung der Gesellschaft und neue Geschlechterrollen – diese Entwicklungen geschehen weitgehend außerhalb des kommunalpolitischen Einflussbereichs. An der Gemeindepolitik liegt es, diese Entwicklungen aufzugreifen und zu gestalten. Das geschah auch in Hallein und folgerichtig ist im städtischen Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich eine besonders große Entwicklungsdynamik festzustellen.

Bemerkenswert ist der politische Werdegang von Bürgermeister Christian Stöckl, der im Jahr 1999 zunächst nur knapp in die Bürgermeisterstichwahl kam. Dank einer für ihn günstigen Konstellation konnte er im zweiten Wahlgang das Bürgermeisteramt erringen. Der neue Bürgermeister musste aber zunächst ohne Mehrheit in der Gemeindevertretung regieren. Trotz konsequenter Konsolidierungspolitik und vorsichtiger, schrittweiser Investitionen gewann der Bürgermeister schnell das Vertrauen der Halleiner und Halleinerinnen und konnte so seine politischen Handlungsspielraum erweitern. Im Jahr 2009 wurde Christian Stöckl in den Salzburger Landtag gewählt. Nach der vorgezogenen Landtagswahl im Jahr 2013 übernahm er als Landeshauptmannstellvertreter einen Sitz in der Salzburger Landesregierung.

In Hallein trat am 20. Juni 2013 Gerhard Anzengruber durch eine Wahl in der Gemeindevertretung die Nachfolge von Christian Stöckl an. Im Jahr 2017 erklärte Gerhard Anzengruber, er würde bei den kommenden Stadtwahlen im Jahr 2019 nicht mehr als Kandidat für das Bürgermeisteramt zur Verfügung stehen. Die Karten werden neu gemischt und heute ist noch offen, ob auch künftig die ÖVP weiterhin die dominierende Halleiner Kraft bleiben wird oder die Stadt-SPÖ es schafft, ihr langjähriges politisches Tief zu überwinden.

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Mühlböck, Armin et al. (2015). Hallein – Stadt im Wandel der Zeit.
ISBN-978-3-200-03909-4

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