Gruppencoaching für Wissenschaftlerinnen im MINT-Bereich

Gruppencoaching ist ein wirksames Instrument, wenn es darum geht, die Ressourcen und das Erfahrungswissen einzelner Gruppenmitglieder für die individuelle Weiterentwicklung, Entscheidungshilfe wie auch Problemlösung nutzbar zu machen. Ein gelungenes Beispiel dafür ist ein Strategieworkshop, den ich im Auftrag der bayerischen Hochschule Weihenstephan/Triesdorf für Doktorandinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich durchgeführt habe.

Stärker als jeder andere Bereich ist der technisch-naturwissenschaftliche Bereich aus verschiedenen Gründen nach wie vor eine Domäne von Männern. Seit vielen Jahren gibt es verschiedentlich Programme, den Anteil von Frauen in MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) Fächern zu erhöhen bzw. hochqualifizierte Berufsfelder und Positionen für Frauen im MINT Bereich zu eröffnen. So hatte auch die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf 2017 ein spezielles Mentoring-Programm für Nachwuchswissenschaftlerinnen installiert, mit dem Ziel, diese bei deren beruflicher Verankerung und beruflichen Aufstieg zu begleiten und unterstützen. Begleitend dazu wurden praxisorientierte Kompetenzseminare angeboten. Eines der Angebote war der bereits erwähnte Strategieworkshop. Ziel des Workshops bestand in der Entwicklung und Aneignung von je eigenen Kompetenzen und Strategien zur besseren Durchsetzung auf dem Karriereweg wie auch die Bewusstwerdung vorhandener Möglichkeiten, je eigener Potenziale und Ressourcen.

Wie verschiedene Studien nachgewiesen haben, entsprechen Wissenschaftskarrieren komplexen vergeschlechtlichten Phänomenen. Die Beteiligung von Frauen an der Wissenschaft verläuft nach wie vor sehr langsam. Ursache dafür bilden individuelle, institutionelle und gesellschaftliche Gründe. Speziell bei Laufbahnentscheidungen zeigen sich Interdependenzen von organisationalen, persönlichen und strukturellen Faktoren, die sich verschränken und zum Teil durch diese verstärkt werden. In der Folge führt das Zusammenwirken verschiedener Einflussfaktoren dazu, dass Wissenschaftlerinnen ihre Karrieren weiter verfolgen können oder auch nicht. Dieser Prozess kann auch mit dem Begriff der „leaky pipeline“ verdeutlicht werden. Trotz eines langsamen Anstiegs des Frauenanteils an Professuren an Hochschulen in den letzten zehn Jahren gehen Frauen auf dem Weg zur Professur verloren. Insbesondere in den MINT-Fachbereichen zeigt sich die Problematik des Mangels an Professorinnen, an wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen wie auch an Studentinnen in besonderem Maße. Speziell für Wissenschaftlerinnen im MINT-Bereich stellen die Doc-Phase wie auch die Post-Doc Phase die entscheidenden Hürden dar. Genau an dieser Schnittstelle setzte der Workshop an.

Gegenstand des zweiteiligen Strategieworkshops bildete die Entwicklung von individuellen Strategien bei der Durchsetzung von Anliegen sowie die Bewältigung schwieriger Situationen. Ausgangspunkt der gemeinsamen Arbeit, die methodisch als Gruppencoaching angelegt war, waren von den Teilnehmerinnen eingebrachte Anliegen und Fragestellungen. Darunter fielen Themen wie Umgang bei Entwertung und Nicht-Ernstgenommen-Werden durch Kollegen und Vorgesetzte, Umgang mit hohen Ansprüchen und Erwartungen an sich selbst, Umgang mit Entscheidungen für oder gegen eine wissenschaftliche Karriere, Selbst- und Fremdwahrnehmung, aber auch bei Situationen wie Auftritt, Prüfungen oder Hearings. Diese Themen wurden, je nach Bedarf, entweder in Form von kollegialer Fallarbeit oder auch als Übung (Inneres Team, Rollenspiele, Perspektivenwechsel etc.) bearbeitet. Dabei wurden – und dies ist die Stärke eines Gruppencoachings – immer auch die vorhandenen (Wissens)Ressourcen und Kompetenzen in der Gruppe genutzt.

In zweiten Teil des Workshops wurde an konkreten Strategien gearbeitet. Über die Entwicklung einer je eigenen Vision bezüglich der eigenen Karriere wurden mit der Methode 5 Steps to my goal in fünf aufeinander aufbauenden Arbeitsschritten die Teilnehmerinnen dabei unterstützt, ihren beruflichen Lebensweg konkret zu planen.
In diesem Gruppen-Coaching-Prozess ist mehreres gelungen: konkrete Entwicklungs- und Karriereanliegen sowie Ziele der einzelnen Teilnehmerinnen zu klären; jeweilige Kompetenzen, Stärken und Ressourcen zu identifizieren, Verhaltensmuster, die unter Umständen einer beruflichen Karriere im Wege stehen, zu hinterfragen sowie Wertvorstellungen im Sinne von Gewichtung zu identifizieren und letztlich individuelle Strategien mit einem Nächste Schritte-Plan zu entwickeln.

 

______________

Foto: Nick Youngson CC BY-SA 3.0 Alpha Stock Images

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s